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Die Geschichte der Welt

Es gab eine Zeit, als das Imperium und die Bewahrer noch demselben Volk angehörten.

Damals erstreckte sich das weite Laphite-Imperium von einem Meer zum anderen und vereinte in sich die unterschiedlichsten Stämme. Drei Köpfe eines mächtigen Drachen zierten das Reichswappen und symbolisierten drei autonome Provinzen, die zu einer Einheit verschmolzen waren – zu einem einzigen mächtigen, unerschütterlichen Reich. Schon damals sorgten die klimatischen Besonderheiten der drei Gebiete nicht nur für Unterschiede in der Entwicklung der Regionen, sondern spiegelten sich auch in der Lebensweise der Bevölkerung wider.

Obwohl der Wandel abrupt zu sein schien, zeigte sich im nachhinein, dass er unumgänglich war. Zuerst änderte sich das Wetter und wurde seltsam und rau. Immer öfter ergingen sich heftige Regenfälle, und wenn die Sonne endlich durchbrach, gab es kein Entkommen vor der sengenden Hitze. Aber das war nur der Anfang: Hagel, Schneestürme im Sommer, ätzender Smog, Wirbelstürme... offenbar war die Natur außer Kontrolle. Schließlich kam der Tag, der die Welt für immer veränderte.

Himmel und Erde brachen auf, und eine zähflüssige, türkisblaue Substanz schoss in einem mächtigen Strahl hervor. Sehr bald stellte sich heraus, dass diese Flüssigkeit bemerkenswerte Eigenschaften besaß und in der Lage war, Materie bis zur Unkenntlichkeit zu transformieren. In hoher Konzentration war sie für sämtliche Lebewesen ein absolut tödliches Gift. Die neue Substanz erwies sich als treibende Kraft, die eine neue Weltordnung formte. Die Menschen nannten sie „Prime“ und lernten nach und nach, unter den neuen Bedingungen zu überleben. Jede Provinz fand ihren eigenen Weg.

Das südliche Gebiet auf einer Halbinsel wurde von allen Seiten durch die Elemente angegriffen. Es wurde von riesigen Flutwellen aus dem Meer und dem Prime überspült. Mit einem mächtigen Donnern tat sich ein Riss in der Erde auf und spaltete die südliche Provinz vom Festland ab. Seitdem hat man nie wieder von ihr gehört, und für lange Zeit glaubte man, sie sei im Meer versunken.

Die Bevölkerung im Norden des Landes flüchtete in den ersten Tagen des Kataklysmus ins Gebirge, in der Hoffnung, dort vor den Dämpfen des Prime sicher zu sein. Ein Forschungsobservatorium wurde zum vorübergehenden Zentrum der Provinz, eine bewehrte Festung hoch oben in den Bergen. Natürlich begann man, die neue Substanz im Observatorium zu erforschen. Und als bekannt wurde, dass diese Flüssigkeit trotz ihrer fatalen Auswirkungen auf Lebewesen zugleich auch ungeahntes Potenzial für die Entwicklung und Perfektionierung bislang unvorstellbarer Technologien barg, entwickelten die Wissenschaftler Schutzsysteme gegen die Effekte des Prime und begannen mit der Erschließung dieser neuen, wertvollen Ressource. Das wissenschaftliche und technologische Interesse daran wurde zum wichtigsten Kern der neu entstehenden Gesellschaft, die schon bald einen neuen Staat hervorbrachte.

Im Südosten verlief der erste Kontakt zwischen der Bevölkerung und dem Prime vollkommen anders. Da die Ländereien der Provinz in einer Tiefebene lagen, sog der Sumpfboden das Prime wie ein Schwamm auf. Niemand konnte dem Kontakt mit der neuen Substanz entgehen, und die ersten Tage der neuen Epoche forderten viele Menschenopfer. Das Prime drang in den Stoffwechsel der Bevölkerung der Sumpfregionen ein, und schon bald fühlten die Menschen eine unglaubliche Macht in ihnen aufsteigen – die Macht über die materielle Welt. Die „Neuen Menschen“ konnten Materie mit ihrer bloßen Vorstellungskraft und ihren Emotionen erschaffen und transformieren. Das war eine neue, intuitive Magie, die ihren Ursprung in der reinen Inspiration hatte und sich von der Macht des Prime nährte. Die Menschen im Süden begannen, ihre neuen Fertigkeiten zu entwickeln und zu optimieren.

Das Leben kehrte nicht zu seinem vorherigen Rhythmus zurück, sondern entwickelte seinen eigenen neuen.

Das Prime wurde nicht nur ein Bestandteil des alltäglichen Lebens, sondern auch eine zum Überleben wesentliche Ressource. Die Bevölkerung passte sich, so gut sie es vermochte, an diese neue Welt an, aber mit dem Unbekannten wächst die Angst und das Misstrauen. Einige Bewohner des Laphite-Imperiums ließen im Umgang mit dem Prime äußerste Vorsicht walten und benutzten es nur, um ihren technologischen Fortschritt anzutreiben. Zu ihrem Entsetzen sahen sie, wie andere es als organische Materie verwendeten und damit physisch interagierten, um ein ungekanntes Niveau an reiner schöpferischer Magie zu erreichen. Durch die gegensätzlichen Anschauungen begann das Reich zu zerbrechen und der Laphite-Herrscher fiel dem Kataklysmus zum Opfer. Kurz danach riefen die Gouverneure der Provinzen zwei unabhängige Staaten aus: Das Dokt-Imperium im Norden und die Bewahrer von Adornia im Süden. Die Prime-Zone, der Bereich des Kontinents, der am meisten vom Kataklysmus betroffen war, stellte eine natürliche Grenze zwischen den beiden Reichen dar. In dieser bizarren Ödlandschaft trifft man immer wieder auf Bestien – sonderbare Kreaturen, die dermaßen vom Prime beeinflusst worden sind, dass man nicht mehr sagen kann, wer oder was sie vor dem Kataklysmus waren: Menschen, Tiere oder irgendwelche schrecklicheren Geschöpfe. Aber es ist nicht die Hoffnung, einen Blick auf diese Monster zu erhaschen, die die Menschen in die Prime-Zone zieht. Während sie am Anfang noch vor dem Niederschlag des Prime flohen, so gehen sie jetzt dem Prime entgegen, um immer neue Quellen und Vorkommen zu finden.

In den Jahrzehnten seit dem Kataklysmus hat sich das Prime allmählich in allen Sphären dieser Welt aufgelöst – in der Erde, in der Luft, im Wasser. Seine Sättigung hängt von vielen Faktoren ab und ist in der Regel heutzutage nicht sehr hoch. Doch an einigen Orten findet man das Prime infolge der besonderen landschaftlichen Beschaffenheit in seiner ursprünglichen Konzentration. Die Bewohner der neuen Welt lernten, diese Konzentrationspunkte ausfindig zu machen und die neue Ressource zu erschließen: Die Dokts bauten Minen und Tunnel, die Adornier nutzten die Kraft bestimmter Bäume.

In beiden Reichen gelten die Prime-Lagerstätten inzwischen als wichtigstes nationales Gut. Sämtliche Vorkommen wurden rasch erschlossen und unter der Aristokratie aufgeteilt. Die Lords und Ladies der neuen Welt verwalten sowohl die Prime-Quellen selbst als auch die Gebiete, in denen sich diese befinden.

Doch da das Prime ein untrennbarer Bestandteil des Lebens der Menschen geworden ist, sind sie ständig auf der Suche nach neuen Quellen dieser Ressource. Immer häufiger wagen sich das Imperium und die Bewahrer in die Tiefen der Prime-Zone, des Ortes, der so viele Geheimnisse der Vergangenheit, so viele Mysterien der Gegenwart und Hoffnungen für die Zukunft birgt.

Denn das ist die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft – das Prime. Es ist die Quelle von allem: der Kraft und der Stärke, der Wunder und der Magie, der Gefahr und der Macht in dieser neuen Welt – und niemand wird ohne das Prime überleben.

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