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Ein Schloss in eisigen Fesseln

19 Dezember 2014

Kälte. Ewige Kälte, die Praia erstarren ließ, spürten sogar die Helden. Hier, in diesem Schloss, konnte einen nichts vor der Kälte retten. Selbst Flammenschweif, ein stets von Feuer umhülltes Mädchen, konnte sich nicht warm halten. Verdammte Jäger! Sie waren es, die den vorher ungekannten Winter geweckt haben.

„Mein Herr!“ Die tiefe besorgte Stimme des Woiwoden erfüllte die Gemächer. „Mein Herr. Was ist Ihre Entscheidung?“

Die Sitzung des Militärrates verlief in merkbarer Anspannung – es schien, alle haben schon die Hoffnung verloren. Mehrere Clans haben das Schloss angegriffen, sodass jeder Widerstandsversuch blockiert war. Kleine Helferinnen der Feenkönigin ließen keine Möglichkeit zur Beobachtung, indem sie jeden anfielen, wer sich den Scharten näherte, und der sichere Pfeil des Waidmanns durchstach jeden, der sich aus dem Tor traute.

Alle waren verzweifelt. Alle, bis auf den weisen Lord. Er erhob sich von seinem Sitz und schritt zu einem mit Edelsteinen verzierten Schnitzschmuckkästchen. So ein Kästchen besaß jeder Lord: darin wurde einer der größten Schätze jedes Schlosses aufbewahrt – die Helden-Katalysten. Natürlich nur die, die reinpassten. Der Lord nahm aus dem Kästchen einen wunderschönen Kristall, der einem Prime-Kristall so ähnelte. Das blaue frostige Schmuckstück hing an einer Silberkette und strahlte Kälte aus.

„Es ist Zeit, die Seelen in ihren Körpern gefrieren zu lassen,“ sagte der Lord, während er tief in den Eis-Katalysten hineinschaute.

 

eiskalt verschleiert

 

… Im Zelt, in dem das Angreifer-Stabsquartier eingerichtet war, war die Besprechung des weiteren Verlaufs der Kriegskampagne voll im Gange. Ein Feuerball, der vom Hexenmeister aufrechterhalten wurde, erhellte und wärmte die Anwesenden. Die Kälte durchdrang alles und jeder sehnte sich danach, diesen Ort zu verlassen und nach Süden zu gehen, wo das Wetter war milder, wenn auch nicht so komfortabel, wie sonst. Die Chimäre versteckte sich in ihrem Kokon, die Feuerwölfe des Feuerbändigers kauerten aneinandergedrückt in der fernen Zeltecke und nur die Archonten des Dämonologen – die von ihrer Natur aus keine Kälte spüren – standen Wache.

Plötzlich durchwehte ein eisiger Wind das Lager. Zelte wurden umgeworfen, Lagerfeuer gingen aus, selbst der magische Feuerball, der über den Karten hing, schien kälter zu werden. Rüstungen wurden mit Reif überzogen, Wasser wurde von einer Eisschicht bedeckt.

„Die Tore gehen auf“ hörte man die Stimme des Spähers.

„Kampfbereitschaft“ hallte der Befehl durch das Lager.

Der Waidmann setzte einen Zauberpfeil auf die Sehne und bereitete sich auf den Angriff vor.

Gegen die Armee trat ein einziger Kämpfer hervor. Groß, stattlich, mit blauem Feuer in seinen Augen. Der, den Praia noch nie gesehen hat. Der Held bereitete sich auf den Kampf vor. Er fürchtete nichts.

Seine Arme auf der Brust verschränkt, hob er den Kopf und betrachtete die ihm gegenüberstehende Feinde.

Alles stand still: Menschen, Helden, selbst die Zeit war erstarrt in dem kurzen Moment der Ruhe vor dem Sturm, den keiner mehr aufhalten kann.