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Nacht der gruseligen Geschichten!

26 Oktober 2015

Ein kleines, gemütliches Gasthaus, welches an der Kreuzung zweier dunkler Straßen liegt, ist heute erfüllt von gemütlichen Gesprächen, Musik und sanftem, weichem Licht. In den Ecken tanzen die Schatten auf geheimnisvolle und verführerische Weise. Wie sollte es auch anders sein, in der Nacht der Toten, während diesem lustigen, aber gleichzeitig auch gefährlichen Fest aus alten Zeiten.

An den Tischen werden angeregt Gespräche geführt. An einem hört man mysteriöses Geflüster, an einem anderen schallendes Gelächter. Auf den Tischen und Deckenbalken leuchten die Kerzen, die mit viel Phantasie extra für diesem Tag gefertigt worden sind. Man kann eine Kerzen in der Form eines Skelettes, einer Fledermaus oder sogar eines Schreckgespenstes finden! Die Tür bleibt keine einzige Minute geschlossen, denn es erscheinen immer wieder verspätete Reisende.

Rund um den langen, eckigen Tisch neben der Bar, begann eine lebhafte Diskussion zwischen einem älteren, erfahrenen Veteran und einem jungen Mann.

- Ach was! - schlug der alte Veteran mit der Faust auf den Tisch  – das kann aber doch nicht wahr sein!

- Warum nicht?! – erwiderte sein Begleiter empört  – ich habe es mit meinen eigenen Augen gesehen! Viele neugierige Besucher begannen sich um den Tisch zu versammeln. Warum auch nicht den interessanten Geschichten zuhören?

Der geheimnisvolle Schädel

- Es verlief folgendermaßen - der Mann schlug mit der Handfläche auf den Tisch und rief die Kellnerin, - einmal als ich aus der Schlossbibliothek nach Hause zurückkam. Es war schon spät, aber der Mond schien und da ich die Straße gut kannte, hatte ich nichts zu befürchten. Von den wilden Tieren war unsere Gegend schon längst befreit worden und auch die besonders grausamen Menschen waren noch früher vertrieben worden. Während ich die Straße entlang ging, dachte ich über die neusten Forschungen nach – vielleicht hat schon jemand von euch davon gehört – man hat entdeckt, wie wir den Nebel nutzen können, damit er uns den Weg zu den gewünschten Orten zeigt und die Zeit verkürzt, die wir für den Weg benötigen.

Mit einem Lächeln stellte die Kellnerin zwei Krüge mit einem schaumigen Getränk auf den Tisch. Der Erzähler nickte dankbar, nahm einen Schluck und setzte seine Geschichte fort:

- Also ich ging, völlig in meine Gedanken vertieft, die Straße entlang als ich plötzlich Musik spielen hörte! Aber niemand war da, der Musik hätte spielen können! Ich betete insgeheim meine alten Götter an und beschleunigte meine Schritte. Doch je weiter ich ging - desto lauter wurde die Musik! Dann gesellte sich noch eine lachende Frauenstimme hinzu. Mir lief es eiskalt über den Rücken. Ich fing an, so schnell zu rennen wie ich nur konnte, aber da meine Neugier so stark war, blickte ich über die Schulter und bereute es sofort. Ich sah eine weibliche Gestalt, die über dem Boden schwebte. Statt einem Gesicht hatte sie einen bemalten Schädel und hielt eine Laute in der Hand. Und auf der Erde über die sie flog, wuchsen Kürbisse und ich entdeckte sogar verschiedene Süßigkeiten.

Der Mann wischte sich den Schweiß von der Stirn.

- An mehr kann ich mich nicht erinnern. Vor meinen Augen wurde es dunkel, keine Ahnung wie ich nach Hause kam, aber seht her, was ich morgens auf meiner Schwelle gefunden habe - der Erzähler griff in seine Tasche, holte einen kleinen Gegenstand heraus und legte ihn auf den Tisch. Bei näherer Betrachtung sah man einen überraschend eleganten, mit einer beispiellosen Technik aus einem Stück Zucker geschnitzten Schädel. Die Arbeit stammte von einem unbekannten Meister.

Die Menschen, die sich um den Tisch versammelt hatten, seufzten vor Verwunderung. Selbst der erfahrene Veteran sagte kein Wort, stopfte nachdenklich seine Pfeife und begutachtete das Kunsthandwerk mit zusammengekniffenen Augen.

- Du bist nicht der einzige, dem so etwas Seltsames passiert ist - die Menschen traten beiseite und ließen eine junge Frau zum Tisch durch. Sie setzte sich auf den leeren Stuhl, lächelte und nahm das ihr überreichte Gericht mit gebackenem Kürbis entgegen.

Das verschwundene Kind

- In meiner Nachbarschaft wohnte eine Familie - Mutter und Tochter. Sie waren nicht reich, lebten aber einträchtig - das Mädchen sammelte Kräuter im Wald, die Mutter machte aus Kräutern verschiedene Elixiere und Pulver und verkaufte ihre Waren an Apotheker. Nur einmal kam das Mädchen nicht aus dem Wald zurück – ob sie sich verirrt hatte oder ob etwas anderes passiert war ... niemand wusste es. Ihre Mutter war tief erschüttert – sie konnte kaum gehen, wurde mager, hörte auf, den Haushalt zu führen, saß nur am Fenster und wartete auf ihre Tochter. Eines Abends, als ich bis spät in die Nacht an einer Stickerei saß hörte ich Kinderstimmen unter dem Fenster. Ich dachte sofort, dass das Mädchen zurück sei. Ich schaute durch das Fenster und konnte es nicht begreifen, sie war es tatsächlich , aber die Silhouette war verschwommen, sie hatte Spinnweben auf ihrer Kleidung. Wie glücklich die Mutter war! Sie rannte zu ihrer Tochter und umarmte sie, doch plötzlich winkte die Tochter mit ihrer Hand in der Luft herum und beide waren verschwunden.

Die Frau nahm einen Schluck, da ihr Mund ganz trocken geworden war. Sie betastete den Schädel aus Zucker.

- Ich bin keine ängstliche Frau! Ich zog mich schnell an, ging nach draußen, näherte mich der Stelle, wo sie beiden gestanden hatten und fand eine aus einem Kürbis gemachte Haarnadel. Hier ist sie - die Frau zog ihren Haarschmuck aus und legte ihn auf den Tisch - für mich dient sie jetzt als Schutzamulett gegen böse Geister.

- Damit bist du besser vorsichtig, - mischte sich ein Mann in das Gespräch ein – Darf ich mich zu euch setzen? - sah er die anderen fraglich an. Nachdem alle nickten setzte er sich und warf eine ausgetrocknete Rose auf den Tisch.

Die schreckliche Rose

- Ihr sagt Schutzamulett... aber mit solchen Dingen macht man besser keine Scherze, oh, nein. Ich hatte einst einen Freund. Er war Forscher und ging ständig in den Nebel und suchte nach verschiedenen Tempeln, Schätzen, und altertümlichem Wissen. Einmal erzählte er mir von den Ruinen, die nicht weit von unserer Stadt liegen. Sie waren seltsam, erzählte er - kein Tempel, kein Turm nicht einmal ein gewöhnliches Haus, - dann aber sah er einem Schöpfbrunnen, aber aus einem seltsamen rosafarbenem Stein, wie Marmor, nicht dunkel, nur mit der Zeit ein bisschen zerfallen. Mein Freund war recht jung, alles hat ihn interessiert, er war stark, und meinte, dass er alles schaffen könnte...

Der Mann schüttelte den Kopf.

- Er war schon oft zu diesen Ruinen gegangen und wollte verstehen, was es dort gibt und von wem diese Ruinen gebaut wurden. Wir haben ihn gebeten, damit aufzuhören, aber im Endeffekt hat er nicht auf uns gehört. Dann, eines Abends kam er mit leuchtenden Augen zurück, sein Haar war zerzaust, und er sagte, er habe eine Tür gefunden und dahinter ein Zimmer. Ein reichlich gefülltes Zimmer, alles war mit Gold geschmückt, Kristalle lagen überall, Fresken waren an den Wänden zu sehen und an der Decke war ein großer Spiegel befestigt. In dem Raum gab es keine Tische, nur in der Mitte des Raumes wuchs ein Rosenbusch. Jung und dumm wie er war ... riss er eine Rose von dem Busch ab, und lief davon um allen zu erzählen, was er gefunden hatte. Am nächsten Morgen haben wir eine Gruppe Leuten versammelt und gingen los. Wir haben jedoch nichts mehr finden können. Es gab keine Ruinen - alles war wie vom Winde verweht. Mein Freund wollte es zunächst nicht wahrhaben, er konnte es nicht begreifen. Nach einer Woche fing er an, einfach ohne Grund zu lachen – und sagte, dass die Rose sein Talisman sei welche ihm Glück bringen würde. Und so war es auch! Was auch immer er anpackte, funktionierte hervorragend. Er begann jedoch rasant abzunehmen und schlecht zu schlafen. Er sagte, alle seine Träume würden von dem Rosenbusch handeln, auch würde er eine Stimme hören die ihn zurück riefe. Zuerst wollten wir nicht glauben, dass mit ihm etwas passierte, aber als er begann, sich ganz merkwürdig zu benehmen haben wir ihn zum Arzt gebracht – und das ist kein Witz – viele mysteriöse Sachen sind passiert. Aber es schien, als ob es ihm sogar besser ginge – seine Augen glänzten wieder und er begann wieder zu scherzen. Dass er sehr mager geworden war spielte keine Rolle. Das konnte man mit etwas Zeit wieder beheben. Doch eines Morgens war er verschwunden. Ich kam zu ihm weil wir verabredet hatten, am frühen Morgen in den Wald auf die Jagd zu gehen, oder um einfach zu schießen, uns zu entspannen – aber bei ihm zu Hause war niemand. Die Stiefel standen im Flur, die Tasse stand auf dem Tisch und war sogar noch warm. Gut, dachte ich mir, - vielleicht ist er für kurze Zeit weggegangen. Ich wartete auf ihn, eine halbe Stunde, eine Stunde, zwei Stunden, aber niemand ist gekommen. Ich habe die ganze Stadt auf den Kopf gestellt – doch er war wie vom Erdboden verschluckt. Nur die Rose war geblieben, doch brachte sie kein Glück mehr, nur Krankheiten und Ärger. Viele von meinen Freunden sind verschwunden, gleich nachdem sie diese Rose mit nach Hause genommen hatten. Nur ich halte mich noch. Jedoch werde ich nie wieder die Sonne erblicken können wenn ich nicht wie meine Freunde zu Staub zerfallen will.

- Ist es wahr? - ein junges Mädchen, fast noch ein Kind und ganz bleich, kam an den Tisch. Kann man sich von dieser Rose nicht losreißen?

- Wenn das doch bloß funktionieren würde - der Mann schüttelte traurig den Kopf, - aber das scheint unmöglich zu sein.

Der mysteriöse Krieger

Die antike Uhr hinter der Theke schlug Zehn. Die meisten der Gespräche fanden ein Ende, doch an dem Tisch in der Ecke blieb es noch lebhaft. Der Veteran, mit dessen Geschichte alles begonnen hatte war schon lange zur Ruhe gegangen, aber die vier Anderen, die seltsame, mystische Geschichten erzählten, waren noch immer am diskutieren.

Hin und wieder hörte man das Echo der hitzigen Debatte. Ein junges Mädchen, das sich als letzte den Gesprächen angeschlossen hatte, wollte den Anderen etwas beweisen und wedelte mit einem Stück Bandage in der Luft.

- Ich sage es euch, - sie warf ihr Haar zurück – er stand auf und ging! Wir haben Tag und Nacht versucht ihn zu retten, aber es gab keine einzige Stelle auf seinem Körper ohne Wunden. Der ganze Körper war in Bandagen gewickelt, nur noch die grauen Haare waren zu erkennen! Plötzlich legte sich ein Dunst um seinen Körper, die Luft zitterte, und er schimmerte grün. Wir erschraken zu Tode, als er aufstand und ging, so wie er vor kurzem noch gelegen hatte, in Bandagen. Ich habe versucht, ihn zu stoppen, aber er schaute sich um, seine leuchtenden Augen blitzten kurz auf und dann löste er sich in der Nacht auf. Nur eine Bandage ist abgerissen und in meinen Händen gelandet, vielleicht hing das Stück nicht fest genug...

Allmählich wurden die meisten Gespräche beendet und alle Gäste gingen auf ihre Zimmer. Die vier Gesellen an jenem Tisch unterhielten sich noch bis Mitternacht. Als die Uhr 12 schlug, standen sie ohne ein Wort zu sagen vom Tisch auf und gingen zum Ausgang.

- Werte Besucher, - rief sie der Wirt - Wie lange wollt ihr noch draußen bleiben? Es ist schon spät und wir schließen bald die Türen.

- Nein, - die Frau drehte sich um. Von ihrem Gesicht rutschte nach und nach die Maske "eines einfachen Menschen". Von ihren Umrissen in der Nacht zeichnete sich eine Laute ab. – Wir kommen bald wieder. Vielleicht in einer Woche ...